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2019:


Antje Kunstmann Verlag




Heinrichs hat sich ein Leben lang mit Fremdheit
beschäftigt. Dieses Buch ist die kluge und sensible
Quintessenz seiner Annäherungen an eines der
zentralen Themen der Gegenwart.

                                                           Ilija Trojanow



Dieses Buch rückt das große Thema der Fremdheit in unsere gedankliche und emotionale Nähe. Es erzählt von der Fremdheit im Erleben der Menschen, die in Not aus anderen Gesellschaften fliehen, und es erzählt davon, wie jeder von uns Fremdheit erleben kann. Auf Reisen und im sozialen wie im privaten Umfeld, wenn wir mit eigenen, uns fremd erscheinenden Gefühlen konfrontiert werden.


DIE ZEIT, 19.06.2019, Ronald Düker
"Miteinander ins Offene tanzen". Der Ethnologe Hans-Jürgen Heinrichs hat einen schönen Essay über Fremdheit geschrieben.
Teheran 1971: Per Zufall war Hans-Jürgen Heinrichs in eine Begräbnisgesellschaft geraten, in einen Kreis alter Frauen, die sich ekstatischen Klagegesängen hingaben und dabei Teegläser und Zigaretten zirkulieren ließen, die der Ethnologe höflich ablehnte. Als Fremdem schien ihm Zurückhaltung geboten. Die wohlmeinende Geste wurde ihm aber als Affront ausgelegt: als Überheblichkeit dem Ritual gegenüber und Missachtung der Gastfreundschaft. Jahre später in Mali verhielt er sich forscher und machte es wieder falsch. Bei einem Fest mit bunt geschminkten Einheimischen „tanzten die Männer werbend auf die Frauen zu, die so taten, als schauten sie gleichgültig weg, in Wahrheit aber jeden Tänzer genau taxierten. Ich missverstand die Blicke, die mir die Männer und auch die Frauen zuwarfen, als Aufforderung mitzutanzen, als Gesten der Verführung“, die jedoch nur distanzierte Neugierde signalisierten. „Als ich auf die Frauen zutanzte, zerstörte ich alles: die Freundschaft mit den Männern und die schüchterne Leichtigkeit mit den Frauen.“
Leichtigkeit, Freundschaft, Verführung – man blickt wehmütig auf solch Vokalen, so schlecht passen sie ins frostige Register, in dem heute über Fremdheitserfahrungen von und mit Migranten debattiert wird. Diese stehen im Zentrum von Hans-Jürgen Heinrichs' Buch Fremdheit. Geschichten und Geschichten der großen Aufgabe unserer Gegenwart – ein ebenso aktueller wie aus der Zeit gefallener Essay. Der empathische Perspektivenwechsel ist Heinrichs' Anliegen und Methode zugleich, daher die Schilderungen der eigenen Fremdheitsmomente. Wenn es schon einem reisenden Ethnologen so ergeht, fragt sich Heinrichs, wie viel komplizierter sei dann wohl die Situation eines Geflüchteten, der nun dauerhaft „sowohl Teil seiner Traditionen als auch unserer Gesellschaft sein möchte“.
Als Ethnologe hat der heute 73-jährige Heinrichs mehrere Bücher geschrieben, er hat Werkausgaben der Ethnologen Michel Leiris und Victor Segalen herausgegeben Biografien über Claude Lévi-Strauss , Georges Bataille und Leo Frobenius sowie Gesprächsbände, zum Beispiel mit Peter Sloterdijk.
Es sind Denktraditionen der 68er, die Heinrichs gegn die von ihm beklagte Brutalisierung der Debatte in Stellung bringt. Der Fremde komme weniger als Individuum zur Sprache als in der abstrahierenden Gestalt invasiver Flüchtlingsströme, als Bedrohung des in seiner Existenz stets selbstgewissen Gegenübers. Für Heinrichs ein pathologischer Befund. Wir schlössen den Fremden stets „in dem Maße aus, in dem wir die Fremdheit aus unserer Selbstwahrnehmung ausschließen.“ Der Fremde sei aber „ein Alter Ego eines jeden Menschen“.
Gesellschaftlich sei nicht Leugnung, sondern Anerkennung des Fremden die Voraussetzung dafür, dass die Konfrontation mit ihm nicht in Hass umschlage. Kein schlichter Verständigungsappell: Die Ethnologie weiß von afrikanischen Exerzitien, bei denen rituelle Scheinkämpfe und Maskenspiele zum Spannungsausgleich benachbarter Völker führen. Vielleicht auch eine Frage des Sportsgeistes.
Man merkt diesem eher mäandernden Essay an, dass hier ein Denken im jahrzehntelangen Lesen und Zuhören entstanden ist. Heinrichs erzählt Erlebtes und berichtet von intellektuellen Weggefährten. Dass das Dialogische auf Kosten zugespitzter Thesen geht, passt zum Geist seiner unbeirrt ins Offene weisenden Haltung.

NZZ am Sonntag, 26.05.2019, Holger Heimann
Das kleine Wörtchen „fremd“ bezeichnet eine ganze Welt. Es steht für das, was nicht nah und vertraut ist. Die Fremde ist fernes Territorium, der Fremde ist ein Unbekannter, die Fremdsprache ist eine, die ganz anders klingt. Grob gesprochen, gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten, der Fremdheit zu begegnen: Neugier oder Angst und Widerstand. Der Berliner Schriftsteller Hans-Jürgen Heinrichs hat sich schon immer mehr von seiner Neugier leiten lassen. Sie führte ihn auf Reisen nach Afrika, in den Vorderen Orient und den pazifischen Raum. Sein Buch „Fremdheit“ ist geprägt von eigenen Erfahrungen, aber es erschöpft sich keineswegs darin.
Das Gefühl der Fremdheit fasst er als eine anthropologische Grundkonstante: „Zur Welt kommen heißt, sich einer unfassbaren Fremdheit ausgesetzt zu sehen. Das ist der Anfang – und so geht es bis zum Ende des Lebens weiter“, formuliert Heinrichs treffend. Die Geschichte der Menschen sieht er als eine mehr oder weniger aggressiv geführte Auseinandersetzung mit Fremdheit, unterbrochen von Gesten der Zuneigung und Freundschaft. Lediglich wer und was als fremd empfunden wurde, das habe sich – in Abhängigkeit von den Zeitumständen – geändert.
In dem spanischen Dorf, in dem Heinrichs mehrere Jahre lebte, war er der eigentümliche Autor, der von den Bewohnern misstrauisch beäugt wurde. Heinrichs notiert: „Ich war für sie ein Fremder, das war wie ein Name. Der Fremde, der Deutsche, der schreibt, der auch im Winter ins Meer geht, der kommt und geht und wiederkommt. Irgendwie war ich ihnen auch suspekt.“ Später bemerkt Heinrichs, dass sich die Dorfbewohner auch untereinander abwehrend und skeptisch begegneten. Er glaubt sie noch immer geprägt von der Franco-Herrschaft. Aber Heinrichs entwickelt daraus keine Typologie des autoritären Charakters, er berichtet nicht von Menschen, die sich selbst wegen besonderer historischer Umstände auf extreme Weise fremd geworden sind.
Als Ethnologe erzählt er stattdessen von afrikanischen Riten, mit denen Fremdheitserfahrungen spielerisch zum Ausdruck gebracht werden und die so neue Denkräume eröffnen. Seine Überlegungen sind durch eine große Breite geprägt. Heinrichs folgt dem Umgang mit Fremdheit in der Kunst, zitiert lustvolle Reisende wie Bruce Chatwin und Ilija Trojanow und stützt sich auf Erklärungsmodelle anderer Disziplinen, vornehmlich der Psychologie.
So ist es naheliegend, dass der Autor, der sich selbst als „leidenschaftlichen Erkunder unvertrauter geistiger und seelischer Landschaften“ beschreibt, den „Urquell der Fremdheit“ in jedem Menschen selbst sieht. Sigmund Freud hatte vom großen Kontinent des Unbewussten als dem wahren inneren Afrika gesprochen.
Heinrichs schreibt daran anknüpfend: „Im vermeintlich unbefleckten, schein-homogenen, zutiefst aber heterogenen Eigenen gewinnt der Fremdenhass viel von seiner Durchsetzungskraft. Im Hass auf den Fremden suchen die Menschen ihr aufgewühltes Inneres zu beruhigen, lehnen sich beruhigt zurück und denken: Ich bin es nicht, der Fremde ist es, den es anzuklagen, am besten auch zu verjagen gilt.“
Mit Blick auf das Gerede von der Flüchtlingsflut plädiert er dafür, den Fremden nicht zu einem identitätslosen Teil einer anonymen Masse zu machen, sondern auf die Einzelschicksale zu schauen. ...

TITELSEITE BEI PERLENTAUCHER, 18.03.2019
Hans-Jürgen Heinrichs' Essay über die „Fremdheit“, in dem sich Belesenheit mit Weltläufigkeit paart … Inspirierende Quelle der Erkenntnis.

DIE PRESSE, Wien, 16.03.2019, Peter Strasser
Es ist ein sympathisches Buch für alle, die im Grunde keiner Belehrungen über die „Fremdheit“ mehr bedürfen, weil Ihnen ohnehin nichts weniger behagt als jenes Moment der „Vernageltheit“, die über weite Strecken den gegenwärtigen, politisch scharfgemachten Asylkurs prägt; summa summarum ein Buch für liberale, weltaufgeschlossene, intellektuelle Humanisten.
Heinrichs: Ein Umtriebiger, ein Freund der Künste, ein umsichtiger Gedankenmensch ...


LOGBUCH ZUR LEIPZIGER BUCHMESSE, März 2019, Tobias Prüwer
... die Aufzeichnungen des Ethnologen sind luzide und mit vielen Beobachtungen unterfüttert. Er zeigt, dass wir Fremdheit als Kategorie zwar brauchen beziehungsweise nicht umhin können, sie zu benutzen. Aber es ist ein Übergangsprozess des Differenzierens. Der Autor fährt kluge Attacken auf das Konstrukt der kollektiven Identität und die Idee der Kulturkreise ... Auch die Gedanken über Ästhetik und Darstellbarkeit von Fremdheit machen das Buch zusammen mit den vielen beigegebenen Kunstwerken zur gedanklich ansteckenden Lektüre.

EKZ.BIBLIOTHEKSSERVICE, 11.03.2019, Michael Reisser
Das Buch liest sich spannend und wirkt überaus erkenntnisreich ...

PHILOSOPHIE MAGAZIN, April / Mai 2019, Ulrich Gutmair
Wer wüsste besser als ein Ethnologe, was es mit der Fremdheit auf sich hat? Auf seinen vielen Reisen ist Hans-Jürgen Heinrichs bewusst geworden, dass die Welt ohne Fremdheit nicht vorstellbar ist.
Zur Welt kommen heißt für ihn, sich einer Fremdheit ausgesetzt zu sehen, die der Mensch durch Sprache zu fassen versucht. In seiner Abhandlung wendet sich Heinrichs aber vor allem gegen die Idee, das Eigene sei das mit sich selbst Identische ...
So ist "Fremdheit" ein philosophisches wie politisches Buch. Denn die Verdrängung der eigenen Fremdheit, legt Heinrichs nahe, ist eine starke psychische Quelle für den rassistisch verzerrten Blick auf die Welt.


DEUTSCHLANDFUNK KULTUR, 18.03.2019, Marko Martin
Der Ethnologe Hans-Jürgen Heinrichs schreibt in seinem neuen Buch gegen die Angst an, die uns vor dem vermeintlich "Anderen" ergreift. Dabei ist es uns oft verblüffend ähnlich, wie Heinrichs auf inspirierende Weise in seinem Buch nachweist ...
Selten zuvor hat Heinrichs transparenter, fluider und freier geschrieben als hier. Vermutlich kein Zufall, denn ohne Rückgriffe auf schwere Begriffsapparate gelingt Heinrichs hier die plausible Ergänzung der Fremdheits-Metapher. Steht diese nämlich, so fragt er keineswegs didaktisch, nicht auch für die Chance auf Freiheit, auf Erweiterung des Horizonts und für die Möglichkeit, dem eigenen, oft strangulierenden Kokon zu entkommen?
Nicht etwa die Differenz ist es, die Angst macht, sondern die verstörende Entdeckung, wie ähnlich uns diese Menschen sind – und damit auch dem, was wir an und in uns selbst verachten ...
Seine Exkurse sind nicht zuletzt deshalb Erkenntnis fördernd, da sie vom Autor keineswegs in einem politisch korrekten, mahnend salbadernden Ton vorgetragen werden.
Es sind nicht die schlechtesten Bücher, die einen mit der Lust am Nachfragen und Hinzufügen entlassen. Im Gegenteil: Sie sind unverzichtbar für einen Dialog, der sich den Monologen des Hasses und der Ausgrenzung entgegenstellt.
Hans-Jürgen Heinrichs ist solch ein inspirierendes Buch gelungen.


FALTER, Wien, Ulrich Rüdenauer
Hans-Jürgen Heinrichs’ neues Buch „Fremdheit“ ist das Buch zur Stunde.
Ein bekannter Autor, Ethnologe und Reisender, Entdecker und Herausgeber, Interviewer und Journalist widmet seinem Lebensthema eine weitere Studie – das ist angesichts der Brisanz des „Fremdheits“-Begriffs ausdrücklich zu begrüßen. Durchaus programmatisch vermischen sich verschiedene Genres und Schreibstile. Denn für Heinrichs ist das Verstehen aufs Engste verknüpft mit dem Erzählen von Fremdheit ...
Dass die Lektüre zu empfehlen ist, liegt an der Emphase, die das Buch auszeichnet: Heinrichs ist zutiefst überzeugt, dass es beim Thema Fremdheit nicht nur gegenwärtig um etwas geht, sondern dass es überhaupt eine zentrale Kategorie des Zusammenlebens darstellt, der Organisation des Sozialen, der Wahrnehmungsfähigkeit. Ausdrücklich spricht er von einer Erzählung und von sich
selbst als Erzähler. Das ermöglicht es ihm, zwischen verschiedenen Ebenen hin- und herzuspringen. Er erzählt Geschichten von Flucht und Ankunft und versucht zugleich theoretisch zu fassen, was mit uns geschieht, wenn wir uns mit Fremdheit auseinandersetzen ...
Das Dasein stellt für Heinrichs eine fortwährende Reibung am Fremden dar. Erst in der Auseinandersetzung mit dem und den Fremden werden wir uns des Eigenen bewusst. Auch wir sind uns eigentlich fremd, was wir aber erst bemerken, wenn wir uns damit konfrontieren.





     Aus der Diskrepanz von existentieller Bedrohung 
     und ungeheurer Lebensfreude, von unermesslichen
     Schuldgefühlen und einer großen Lust an der
     Sprache und dem Denken ist Georges-Arthur 
     Goldschmidts Werk entstanden.

     Diese Gespräche sind eine Expedition in Leben 
     und Werk eines der großen Erzähler.

     Das Buch berichtet auch von dem Abenteuer 
     eines dialogischen Austauschs, im Kampf mit 
     Konflikten, Missverständnissen und 
     grundverschiedenen Ausgangspositionen …

     Juli 2013 im S. Fischer Verlag erschienen.





      





          Peter Sloterdijk. Die Kunst des Philosophierens.






Die erste umfassende Deutung von Sloterdijks Werk, verknüpft mit seinem persönlichen Werdegang, ist Anfang Februar 2011 im Carl Hanser Verlag erschienen.

"Hans-Jürgen Heinrichs bringt die Voraussetzungen mit, um diesem Werk und seinem Autor gerecht zu werden. … Im Dienste seines Gegenübers wird freigelegt, was diesen im Innersten bewegt …" (Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

"Es ist das große Verdienst dieser aufmerksamen Studie, aus dem überreichen und verzweigten Werk Sloterdijks einen basso continuo herauszufiltern. Peter Sloterdijk, so legt Hans-Jürgen Heinrichs überzeugend dar, versteht Menschen als reiche Wesen … nach Heinrichs’ glücklicher Formel: Denken als ‚Weltanfreundungsphilosophie’" (Jochen Hörisch, Die Welt)

"Unter der eleganten Feder Hans-Jürgen Heinrichs' nimmt Sloterdijks mäandernde Philosophie eine überschaubare Form an, verkleinert sich auf einen zwar noch immer nicht leicht, aber doch leichter überblickbaren Maßstab. Nicht zuletzt setzt der Berliner Publizist Mensch und Werk in Beziehung, zeigt, wie die Wahrnehmung eines diffusen Nachkriegs-Raunens sich verwandelte in höchste Sensibilität für die Einflüsterungen des Zeitgeistes, den man zwar zur Kenntnis nehmen, ihm darum aber lange noch nicht folgen muss. Vielmehr muss man ihn in Form bringen. Das tut Sloterdijk, und Heinrichs beobachtet ihn dabei - und zwar so genau, präzise und aufmerksam, dass der Leser als Beobachter zweiter Ordnung versteht, was es heißt, einem Philosophen ins Herz, Hirn und vor allem ins Sprachzentrum zu schauen." (Kersten Knipp, Freitag)

"Hans-Jürgen Heinrichs denkt mit Peter Sloterdijk, ihm entgegen ... versucht Linien im Geflecht von Sloterdijks Denken sichtbar zu machen und aus diesen ein Wesen heraus zu lesen - mit allen Brüchen und Fragen." (Annette Brüggemann, in: Deutschlandfunk)



       



            Schreiben ist das bessere Leben
            Frühjahr 2006 im Antje Kunstmann Verlag



"Heinrichs gelingen sehr intime Werkstattberichte, die den Schreibprozess als individuellen und doch verallgemeinerbaren Vorgang freilegen ... zehn Tatortbegehungen der aufschluss-reichsten Art ..."   (Die Welt)